Mittwoch, 22. April 2020

Über das Altern



„Man möchte leben, ohne zu altern; und man altert in Wirklichkeit, ohne zu leben.“  (Alexander Mitscherlich, Psychoanalytiker)


Wenn ich jemanden nach seinem Alter frage, bekomme ich als Antwort immer eine Zahl. Aber woher weiß sie oder er, welches Alter ich gemeint habe? Oder geht jeder davon aus, dass wir nur ein Alter haben? Ich vermute es.  Aber wir haben mehr als ein Alter. Wir haben drei verschiedene Alter. 

Das erste Alter ist das chronologische Alter. Es beschreibt den Abschnitt, den wir bereits in der Zeit verbracht haben. Es ist das übliche zeitliche Alter, das anhand des Geburtsdatums berechnet wird. Wir feiern unsere Geburtstage, und wenn wir jung sind, wünschen wir uns, dass ihre Zahl größer wird (endlich erwachsen), und wenn sie groß ist, wünschen wir uns, dass sie wieder kleiner wird (noch einmal jung sein). Er ist immer Vergangenheit, ist fest und nicht mehr änderbar. Obwohl es völlig bedeutungslos ist, ist es das Alter, dem wir die meiste Aufmerksamkeit widmen. Aber egal, wie sehr wir es auch versuchen, wir können es nicht beeinflussen, wir können es nicht ändern.



Das zweite Alter ist das biologische Alter. Es entspricht der Gegenwart und beschreibt den Zustand des Körpers. Es beeinflusst und begrenzt unsere Lebensspanne. Es ist messbar, und oft gibt es erhebliche Abweichungen vom chronologischen Alter. Eine mögliche Messmethode ist die Bestimmung der Länge der Telomere. Telomere sind die Enden unserer genetischen Fäden, der Chromosomen. Die Telomere sind Strukturelemente der DNA, die für ihre Stabilität verantwortlich sind. Bei jeder Zellteilung verkürzen sie sich, bis sie eine kritische Länge unterschreiten und die Zelle die weitere Zellteilung stoppt oder den aktiven Zelltod auslöst. Im Gegensatz zum chronologischen Alter ist das biologische Alter durchaus beeinflussbar, d.h. es kann verlangsamt, in manchen Fällen sogar leicht zurückgedreht werden. Die dazu verwendeten Methoden finden sich häufig unter dem Begriff Anti-Aging. Natürlich können wir es auch beschleunigen. Das ist in der Tat das, was wir am besten können. Entscheidend für unser biologisches Alter ist unser Lebensstil, insbesondere Ernährung, Bewegung und Entspannung. Unser moderner Lebensstil mit Fastfood, überwiegend sitzender Tätigkeit und ständigem Stress beschleunigt das biologische Alter enorm. Medizinische Fortschritte können das chronologische Alter verlängern, aber nicht ein gesundes, erfülltes Leben. 

Das dritte Alter ist das spirituelle Alter. Es entspricht der Zukunft. Es ist das Alter der Weisheit und des Wissens. Hier erreichen die meisten Menschen das, was sie sich für ihr chronologisches Alter wünschen. Sie bleiben jung und altern kaum. Im Gegensatz zum chronologischen oder biologischen Alter ist hier ein hohes Alter wünschenswert. Denn ein hohes Alter bedeutet hier nicht Verfall und Tod, sondern Entwicklung, Erfahrung und Wissen. Genau wie das biologische Alter können wir auch unser geistiges Alter durch unseren Lebensstil beeinflussen. Entscheidend dafür sind unser Denken, Mitgefühl, Achtsamkeit oder Meditation.

Das chronologische Alter ist einfach der Lauf der Zeit. Das biologische Alter ist unsere körperliche/materielle Entwicklung und das spirituelle Alter ist unsere geistige/spirituelle Entwicklung.

Obwohl normalerweise negativ, ist das Altern immer positiv. Würden wir nicht altern, würden wir uns nicht entwickeln, und wir würden keine Fortschritte machen. Viele wollen zwar nicht altern, aber ihr ganzes Leben als Neugeborene verbringen wollen sie auch nicht.

Seltsamerweise schenken wir dem Alter, auf das wir keinerlei Einfluss haben, nämlich dem chronologischen Alter, die meiste Aufmerksamkeit. Wenn man älter wird, entdeckt man sein biologisches Alter und beginnt, sich mehr um seinen Körper zu kümmern. Aber wir kümmern uns kaum um unser spirituelles Alter. Das ist schade. Wir können bestenfalls unseren körperlichen Verfall verlangsamen, aber wir können ihn nicht aufhalten. Stattdessen sollten wir uns lieber um unseren unvergänglichen Teil sorgen und verhindern, dass auch unsere Seele verkümmert. Um dies zu erreichen, müssen wir spirituell altern. Spirituelles Altern ist jenseits aller Zeit.

Es ist nicht so wichtig, wie alt man wird, es ist viel wichtiger, wie man alt wird.

Donnerstag, 30. Januar 2020

1. Ein neues Bewusstsein


Es macht mich jedes Mal traurig, wenn ich in den Medien Nachrichten lese, höre oder sehe. Der weitaus größte Teil aller Nachrichten, lässt sich mühelos in eine von nur drei Rubriken einsortieren:

- Dummheit
- Hass
- Gewalt

Egal ob Links, Mitte oder Rechts, gläubig oder ungläubig, Raucher oder Nichtraucher, Fleischesser oder Veganer und, und, und … Jeder erhebt seine Anschauung zu einer Ideologie, zu einem Dogma, das es zu verteidigen gilt. Anhänger der eigenen Ideologie sind gut und haben immer recht, alle anderen sind böse und haben immer unrecht. Sie müssen deshalb ausgegrenzt, bekehrt, umerzogen, bekämpft oder im Extremfall vernichtet werden. Wir leben in einer Diktatur - einer Diktatur unseres Geistes, unseres Bewusstseins. Diese Diktatur hat die Menschheit seit Anbeginn im Griff und führte zu allen Zeiten zu Gewalt, Folter, Krieg und Blutvergießen. Alles, was um uns herum passiert, ist eine Folge dieser Diktatur des Bewusstseins. Denn unser Bewusstsein erschafft unsere Realität. Wenn wir in unserer modernen Welt mit ihren Massenvernichtungswaffen, mit Gentechnik, Robotern, künstlicher Intelligenz und allen anderen modernen Errungenschaften, bevorstehenden Umwelt- und Klimakatastrophen, überleben wollen, benötigen wir eine neue Moral, ein neues Bewusstsein, eine höhere Bewusstseinsstufe. Wir leben immer noch mit einer jahrtausende alten Bewusstseinsversion, die den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Sie erzeugt Chaos, zerstört unsere Umwelt, richtet sich immer mehr gegen uns selbst, unsere Kinder und Kindeskinder. Unser Bewusstsein benötigt dringend ein Update. Doch nicht neue Technologien, neue Ge- oder Verbote, neue Theorien oder Ideologien führen uns dorthin. Die Weiterentwicklung unseres Bewusstseins kann nicht auf materieller Ebene, kann nicht in unserer Außenwelt erfolgen. Sie muss durch unseren Geist, durch unser Bewusstsein selbst, sie muss in unserer inneren Welt erfolgen. Ohne eine tiefgreifende Veränderung unseres Bewusstseins wird sich auch unsere Welt nicht verändern.

Was aber ist Bewusstsein? Wie entwickeln wir es in die richtige Richtung? Wie erreichen wir höhere Bewusstseinsstufen? Und schließlich: Was haben wir eigentlich persönlich davon?

Diese Fragen möchte ich in diesem Blog beantworten. Er zeigt eine Methode, einen Weg, zu einer höheren Bewusstseinsstufe. Dieser Weg ist nicht schwierig, er ist unabhängig von unserem Wissen. Wir müssen keinem bestimmten Berufsstand, keiner bestimmten Religion, keiner bestimmten politischen Partei und keiner bestimmten Ideologie angehören. Wir müssen uns dazu nirgendwo registrieren und es kostet uns auch kein Geld. Klingt verdächtig? Zu recht! Denn dieser Weg hat einen großen, einen sehr großen Nachteil: Wir müssen ihn selbst gehen!

Das ist hart. Sind wir es doch gewohnt, dass wir auf alles eine Antwort bekommen, von Ärzten, Wissenschaftlern, Lehrern und Professoren, Politikern, Fernsehstars und für die nicht ganz so weltlichen Dinge von Priestern, Schamanen oder Gurus. Für alles gibt es Pillen, Seminare oder andere Dinge, man muss nur genügend Geld haben, um sie sich leisten zu können. Wir schimpfen auf die Wissenschaftler, Pfaffen und Politiker. Doch hierbei reicht es nicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Es liegt an uns, an jedem Einzelnen von uns. Freiheit und Glück kommen niemals von außen herein, sie kommen immer von innen heraus.

Keiner kann für uns atmen, keiner kann für uns denken, keiner kann für uns essen, keiner kann für uns leben, keiner kann unseren Weg gehen. Wir müssen es selbst tun. Die Klarheit in unserem Inneren kann einem nicht gegeben oder aufgedrängt werden, es kann sie uns auch keiner nehmen. Sie war und ist immer da. Wir erkennen sie aber meistens nicht, weil wir in die falsche Richtung blicken. 

Deswegen gibt es in diesem Blog auch keine uneingeschränkt geltenden  Antworten, er soll Sie zu Ihren eigenen Antworten, zu Ihrer eigenen Erkenntnis, führen.

"Es geht nicht darum, das was in meinem Kopf ist, in Deinen Kopf hineinzustopfen. Es geht darum, Dich an dein eigenes Wissen zu erinnern."
(Anthony Paul Moo-Young, Advaita-Lehrer)

Dieser Blog will Ihnen helfen, ihr Bewusstsein zu erweitern, ihre selbstgesteckten Grenzen zu überwinden und ihr volles Potenzial zu entfalten.

Mittwoch, 29. Januar 2020

2. Die Umkehr


Platon ist einer der bekanntesten der vielen bekannten antiken griechischen Philosophen. Er lebte ca. 427 bis 347 v. Chr., war ein Schüler von Sokrates und einer seiner Schüler war Aristoteles. Platons Lehren haben den Glauben und die Weltanschauung von Millionen Menschen zu allen Zeiten und überall auf der Welt beeinflusst und geprägt. Eine seiner Lehren besagt, das der Mensch eine unsterbliche Seele hat, die nach seinem Tod getrennt vom Körper weiterlebt. Sein Höhlengleichnis ist wohl das bekannteste Gleichnis der antiken Philosophie. Worum geht es da?

In diesem Gleichnis leben die Menschen als Gefangene in einer Höhle. Sie sind so festgebunden, dass sie nur die, von einem Licht auf die Wand geworfenen Schatten sehen können, nicht aber die Quelle des Lichts. Die Menschen halten die schemenhaften Schatten an der Wand für die Wirklichkeit. Auch ihre eigenen Schatten. Wenn sie aufstehen, ihre Fesseln abstreifen, sich umdrehen, erkennen sie das Licht, den wahren Ursprung ihrer Bilder und können sich auf den Weg zum Ausgang, auf den Weg in die Freiheit begeben.

Auf dem langen Weg der Evolution ist der Mensch der Übergang von einer unbewussten zu einer bewussten Evolution. Der Mensch ist als einziges Wesen auf der Welt in der Lage, seine Fesseln abzustreifen, sich vom Schattenspiel an der Wand abzuwenden, umzukehren und den Weg zur wahren Quelle des Lichts, zum Ausgang, in die Freiheit zu gehen. Einige sind umgekehrt und einige haben den Weg dorthin beschrieben. Doch nur wenige sind ihnen gefolgt. Auch heute noch sitzt die Masse in dieser Höhle und verfolgt fasziniert das Schattenspiel an der Wand. Warum nutzen wir nicht unser Potenzial? Was hält uns von einer Umkehr ab?

Zugegeben, das Schattenspiel wurde immer umfangreicher, immer faszinierender. Die Möglichkeiten in diesem Spiel scheinen grenzenlos. Wir hängen an dieser Illusion, können uns nicht von ihr lösen. Im Buddhismus nennt man dies Anhaftung. Diese Schattenwelt ist unsere Außenwelt und wir hängen an ihr, an ihren Annehmlichkeiten, unseren Erfolgen, unserem Besitz. Wir haben gelernt, all das Unangenehme dieser Welt, ihre Unwirklichkeit, ihr Leid, ihre Vergänglichkeit auszublenden. Wir sehen ständig, wie andere Schatten davon betroffen sind, glauben und hoffen jedoch, dass unsere Schatten verschont bleiben. Wir genießen das Schattenspiel und blenden völlig aus, dass schon bald der Vorhang fällt.

Wenn wir uns umdrehen, wenn wir umkehren, erblicken wir die Quelle des Lichts. Wir erkennen die Dinge, wie sie wirklich sind. Es gibt keine Illusionen mehr. Wir können uns nichts mehr vormachen. In dem Licht erstrahlt der Tod und wir erkennen die Vergänglichkeit der Schatten, auch unseres eigenen Schattens. Da wir uns immer noch mit unserem Schatten identifizieren, fürchten wir uns vor dem Tod. Wir fürchten uns vor dem Tod, weil er etwas ist, das wir nicht kennen, zumindest nicht aus eigener Erfahrung. Wir kennen ihn nicht, weil wir ihn verdrängt haben und wenn er dann unvermittelt vor uns steht, geraten wir in Panik. Doch der Tod ist genauso wenig das Ende, wie die Geburt der Anfang ist. Niemand kann uns mehr über das Leben lehren als der Tod und wenn wir den Tod nicht verstehen, werden wir auch unser Leben nicht verstehen. Doch nur wenn wir unser Leben verstehen, können wir es auch selbstbestimmt leben.

Wenn wir unsere Außenwelt loslassen und den Weg nach innen gehen, können wir den Tod nicht ausblenden. Doch wir können erkennen, was er wirklich ist. Der Tod ist kein Entschlafen, er ist ein Erwachen. Mit diesem Erwachen durchschreiten wir das Tor zu einer höheren Bewusstseinsstufe - dem bewussten Tod. Seit Jahrtausenden haben Mystiker aus allen Kulturen und Religionen diesen Zustand erfahren und einige haben versucht ihn zu beschreiben. Wir können ihnen einfach nur glauben, wir können diesen Zustand aber auch selbst erfahren und das Tor zu einer höheren Bewusstseinsstufe durchschreiten.

Dienstag, 28. Januar 2020

3. Reines Bewusstsein


"Von nichts kommt nichts" ist ein Spruch, den ich in meiner Kindheit des Öfteren zu hören bekam. Da nun ganz eindeutig etwas da ist, z.B. etwas, das diesen Text schreibt oder liest, kann dieses etwas nicht von nichts gekommen sein. Es muss also etwas da sein, aus dem das etwas entstanden ist. Aber auch dieses etwas, aus dem das etwas entstanden ist, muss aus etwas entstanden sein usw.. Gibt es einen Anfang ohne Anfang? Einen Anfang aus dem alles entstanden ist und was ist dieser Anfang?

Wenn es so etwas gibt, dann muss es immer schon dagewesen sein, es kann kein davor geben. Es ist die Ewigkeit. Wenn daraus alles entstanden ist, muss es alles umfassen. Es ist die Unendlichkeit. Wenn wir von unendlich oder ewig sprechen, meinen wir häufig eine unvorstellbare lange Strecke oder einen sehr langen Zeitabschnitt. Doch jede Strecke, jeder Raum und jede Zeit ist immer endlich. Unendlichkeit ist Raumlosigkeit und Ewigkeit ist Zeitlosigkeit. Der Anfang war vor Raum und Zeit. Der Anfang war dimensionslos.

Etwas Dimensionsloses hat keine Ausdehnung, kein Gewicht, noch nicht einmal eine Dauer. Laotse, ein Philosoph, der lange vor unserer Zeit lebte, nannte diesen Urzustand das Tao, die Buddhisten nennen es die Leere, die Hindus Brahman, die Christen Gott und Physiker vielleicht Quantenfeld oder Nullpunktfeld. Wir wollen uns hier nicht um Namen und Begriffe streiten. Wir nennen diesen Urzustand, den Urgrund, in diesem Blog das reine Bewusstsein.

Etwas Dimensionsloses ist die Information. Eine Information hat keine Ausdehnung und man kann sie auch nicht wiegen. Dieser Urgrund, das reine Bewusstsein, ist somit etwas wie ein unendliches, zeitloses Informationsfeld. Information leitet sich aus dem lateinischen in-formare ab, was so viel wie „in Form bringen“, „sich etwas vorstellen“ bedeutet. Dieses „sich etwas vorstellen“ bezeichnet Möglichkeiten, Potenzialität. Die Information über Möglichkeiten nennen wir daher potenzielle Information. Die potenzielle Information ist unendlich. Das reine Bewusstsein ist damit potenzielle Information, ist Potenzialität.

Die unendliche potenzielle Information ist alles Mögliche. Sie ist alles, aber irgendwie auch nichts. Sie ist wenig aussagekräftig. Informationstechnisch lässt sie sich somit auch bezeichnen als Nicht-Wissen. Wenn wir etwas wissen wollen, benötigen wir etwas Konkretes, wir benötigen Fakten. Wir müssen etwas Potenzielles in-Form bringen. Diese Fakten, das In-Form-Gebrachte, bezeichnen wir als klassische Information. Klassische Information ist Wissen. Alles Wissen entsteht aus der Potenzialität, aus Nicht-Wissen. Alles Wissen, wie groß es auch sein mag, ist immer nur ein winziger Bruchteil, ein winziger Ausschnitt des Nicht-Wissens. Das "In-Form-Gebrachte" ist nur das, in dem sich das Formlose ausdrückt, Wissen ist nur das, in dem sich das Nicht-Wissen ausdrückt. Alles was existiert ist nur der Ausdruck des Nichts, der Potenzialität.

Jeder Ausdruck, jeder Ausschnitt, jedes Wissen, ist endlich, ist unterschiedlich groß. Betrachten wir diese Ausschnitte des Nicht-Wissens, dann beginnen wir mit dem kleinsten Ausschnitt, ohne etwas Konkretes, ohne Fakten, also das Nichts und enden an dem größten Ausschnitt, das Allumfassende, das Allwissen, die Omniszienz. Das Nichts und das Alles sind nur unterschiedliche Ausschnitte (der kleinste und der größte) des einen, reinen Bewusstseins. Alle Ausschnitte, vom kleinsten bis zum größten, bezeichnen wir hier auch als Bewusstseinszustände oder Bewusstseinsstufen. Die unterste Stufe, das Nichts, ist der Tod und die höchste Stufe, die Omniszienz ist der bewusste Tod. Dazwischen liegen uns bekannte Zustände wie Wachsein, Schlaf oder Tiefschlaf.

Montag, 27. Januar 2020

4. Subjektives Bewusstsein


Der Urgrund, das reine Bewusstsein, ist ein unendliches Potenzialfeld, ein unendliches, zeitloses Informationsfeld. Er enthält alle wissbaren, d.h. potenziellen Informationen, aber kein tatsächliches Wissen. Er ist die Unbestimmtheit, das Nicht-Wissen. Die potenziellen Informationen, das Nicht-Wissen, können unendlich viele Zustände umfassen. Tatsächliche Informationen, die klassischen Informationen oder Fakten umfassen endliche eindeutige Zustände. Sie sind das Wissen. Wie wird aus dem Nicht-Wissen Wissen? Wie wird aus dem Nichts ein Etwas?

Ein statisches Potenzialfeld würde auf immer und ewig bestehen, ohne dass darin irgendetwas passiert. Anders ausgedrückt: Gäbe es keinen wirkenden Gott, gäbe es auch niemanden der solche Fragen stellen könnte. Aus der Potenzialität kann ohne Wirkung keine Realität entstehen. Ein Gott, der nicht wirkt, kann nicht erkannt werden. Wenn alles Eins ist, können wir nichts wissen. Wir benötigen die Zwei, die Dualität, Schöpfer und Schöpfung. Nur wenn es mindestens zwei Zustände gibt, macht Information einen Sinn. Die Dualität ermöglicht den Übergang vom Nicht-Wissen zum Wissen, vom Nichts zum Etwas.

Gott verließ seinen Himmel nicht. Er schickte eine Art innerer
Instanz, seinen Sohn, hinaus. Vater und Sohn sind zwei Instanzen des einen Gott. In der vedischen Religion des alten Indien heißt dieser innere Kern Atman. Diese innere Instanz ist identisch mit Brahman, dem ewigen Urgrund. Im einzelnen Menschen heißt es Atman, im Kosmos Brahman. Atman und Brahman sind das Ewige, sind eins. „Die kosmische Seele“, so steht es in den Upanishaden, „ist eins und gegenwärtig in allen Wesen.“ Wir nennen diese innere Instanz des reinen Bewusstseins in diesem Blog subjektives Bewusstsein.

Das subjektive Bewusstsein erschafft aus der Potenzialität unsere Realität. Das subjektive Bewusstsein ist das Tor, durch welches die Manifestationen der Potenzialität in unsere Welt gelangen. Alles was ist, entstammt dem reinen Bewusstsein und kehrt auch wieder in das reine Bewusstsein zurück. Am Ende kehrt auch das subjektive Bewusstsein wieder in seinen Urzustand zurück.